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Sahm – Sensationen biblischer Archäologie

Jerusalem 

Die Entdeckung des „Grabes der Familie Jesu“ durch einen Hollywood-Regisseur hat erneut Diskussionen um das Spannungsfeld zwischen Archäologie und Glaube ausgelöst. Dabei können steinerne Funde Glaubensfragen weder bestätigen noch in Frage stellen. 

Das 1980 entdeckte und 1996 von Amos Kloner wissenschaftlich publizierte Familiengrab liefert mit zehn Ossuarien und eingeritzten Namen einen weiteren Beweis dafür, dass die Geschichten des Neuen Testaments historisch und geographisch in ihre Umgebung eingebettet sind. Die Namen Jesus, Josef und Maria waren damals so populär wie David, Maria oder Josef heute. 

Unter israelischen Archäologen wird immer wieder das Vorgehen bei einer Grabung diskutiert. So gibt es christliche Archäologen, vor Allem aus den USA, die mit der Bibel in der Hand gezielt den Untergrund des Heiligen Landes durchwühlen, um etwa bei Qumran am Toten Meer die Schätze des Jerusalemer Tempels oder Spuren Jesu finden. Gefahr droht, dass sie jede entdeckte Scherbe in ihr mitgebrachtes Weltbild einpassen. Dann gibt es die Zweifler, die biblische Wahrnehmungen ins Reich der Legende schicken. So wurden schon Abraham, Moses, David und Salomon zu Mythen erklärt. Die Mehrheit der Archäologen im Heiligen Land sind eher ernsthafte Wissenschaftler. Mit gebührender Vorsicht interpretieren sie ihre Funde. Nachfolgend eine unvollständige Liste von Funden mit Bedeutung für das Verständnis der Bibel. 

In Tel Dan im Norden Israels wurde 1994 ein Stein mit althebräischer Inschrift gefunden: Haus Davids. Der Stein wurde in einem Monument entdeckt, das im 9. vorchristlichen Jahrhundert, 150 Jahre nach Davids Regierungszeit, zu Ehren des Königs Aram von Damaskus errichtet wurde. Die Inschrift erwähnt Siege über einen „König von Israel“ (vermutlich Joram) und einen „König des Hauses Davids“ vermutlich Ahaziah). Der Stein, heute im Israel Museum, gilt als die älteste Erwähnung eines „Hauses Davids“. 

1968 wurde in Jerusalem ein Ossuarium (Knochenkasten) eines gewissen Jehohanan, Sohn des Hagkol, gefunden. Zwischen seinen Fersenknochen  steckte ein krummer Nagel mit herausgerissenem Holz. Es war der erste physische Beweis für die römische Hinrichtungsmethode der Kreuzigung. 

Der sensationelle Fund wird heute im Israel-Museum in Jerusalem aufbewahrt wie auch andere hier erwähnte archäologische Enddeckungen.

 

 


Während des ersten Irakkrieges 1991 stießen Archäologen in Jerusalem auf eine Grabhöhle (nahe der vermeintlichen Höhle der Familie Jesu) mit dem Grabkasten des „Hohepriesters Kaiphas“. 

 

Eine Stele mit dem Namen Pontius Pilatus, in Caesarea gefunden, bezeugt die aus dem Schrifttum längst bekannte historische Figur des römischen Prokurators. 

 

 

 

 

 

In Jerusalem wurde außerhalb des Tempelberges die Inschrift „Zum Ort des Trompeters“ (Photo) unter der südwestlichen Zinne entdeckt. Die Römer hatten das steinerne Geländer herabstürzen lassen und israelische Archäologen fanden es genau 1900 Jahre später. Das ist die Stelle, wo Jesus gemäß der Überlieferung vom Teufel aufgefordert wurde, sich herabzustürzen „wenn du der Messias bist“. An diesem Ort verkündete der Priester mit einem Stoß ins Widderhorn die Ankunft des Sabbat. Heute erfüllen Sirenen diese Funktion. 



Wo die von Jesus umgeworfenen Tische der Geldwechsler standen, kann man erahnen, wenn man die antiken Ladenreihen  im Archäologiepark nahe dem Tempelberg sieht. Gefunden wurden neutrale „Tempelmünzen“, die gegen römische Münzen mit dem Gottesbild des Kaisers eingetauscht wurden. „Götzendienst“ war im Tempel verboten. 

Seit zwei Jahren wird der frisch entdeckte Siloah-Teich  freigelegt. In seiner Nähe heilte Jesus einen Blinden. Jesu Wunderheilung kann wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Aber die Archäologie kann helfen, jenen Ort genauer zu ermitteln, wo sich diese Geschichte zugetragen haben muss. 

 

Im See Genezareth wurde ein großes Boot entdeckt, wie es Petrus verwendet haben könnte . Und der wohl bedeutendste Fund sind die 2000 Jahre alten Tote Meer Rollen aus Qumran , eine ganze Bibliothek zeitgenössischer Schriften und Text-Kopien. 

 

Sie erweitern und vertiefen unser Wissen, können aber Glaubensangelegenheiten weder bestätigen noch bestreiten. 

Höchst problematisch ist freilich der Versuch der Palästinenser, darunter auch Jassir Arafats in Camp David, den Tempel in Jerusalem, die Bautätigkeit des Königs Herodes und archäologische Funde abzustreiten. Mit dem politisch-ideologisch motivierten Verleugnen einer jüdischen Vergangenheit in Jerusalem wird auch dem Christentum der Boden unter den Füßen weggezogen. Denn ohne Tempel und Kaiphas, Pontius Pilatus, Kreuzinschrift und Juden in Jerusalem vor 2000 Jahren kann es weder Jesus noch die Kreuzigung und so auch nicht die Auferstehung gegeben haben. Dieses Bestreben ist der tiefe Grund hinter den Protesten der islamischen Bewegung in Israel gegen Ausgrabungen am Mugrabi-Tor  nahe dem Tempelberg.

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