Wissenschaftler packt die Laus
Das Bein einer 2000 Jahre alten Körperlaus, zwischen
Kleidungsstücken von Rebellen auf der Herodesburg Massada am Toten Meer gefunden,
animierte eine Reihe von Wissenschaftlern zu einem hochgelehrten Artikel in
der Fachzeitschrift der Entomologischen Gesellschaft von Amerika. Der Jerusalemer
Archäologe Joe Zias hat das Ergebnis seiner vor kurzem erst veröffentlichten
Forschung übermittelt.
I n der
Einführung heißt es, dass die Laus der älteste Parasit der Menschheit sei. Beide
Lausarten, die Kopf- und die Körperlaus wurden schon in 10.000 Jahre altem menschlichem
Haar in Brasilien entdeckt. Auch in den Mumien von Pharaonen entdeckte man immer
wieder solche „Ektoparasiten“ gefunden. Kopfläuse heißen auf lateinisch „Pediculus
humanis capitis“ während die Körperlaus „Pediculus humanus humanus“ heißt und
typischerweise im „pubischen“ Bereich des Menschen festsetzt. Ein ägyptisches
Papyros aus dem 16. vorchristlichen Jahrhundert, also vor
3600 Jahren, empfiehlt sogar ein aus Feigenmehl hergestelltes Gegenmittel.
Laus im Lokus
Die
Entdeckung eines Lausbeines im Jahr 1964 im Korb 747 zwischen Textilien
im „Lokus“ (Fundort) Nr. 1093 auf Massada, beweise nun endgültig, dass
die Rebellen des jüdischen Aufstandes gegen die Römer kurz nach dem Kreuzestod
Jesu in Jerusalem mit Läusen infiziert waren. Der bedeutsame Fund stammt
aus einem Raum, der in den Jahren 66 bis 77 von den Aufständischen benutzt
und nachher verlassen wurde. In dem Raum entdeckten die Ausgräber auch
einige bedeutsame Ostraka, Scherben mit hebräischer oder aramäischer Aufschrift,
Namen der Rebellen. Jener Lokus wurde nicht durch Feuer zerstört, das
die Römer bei der Eroberung der als unbezwingbar geltenden natürlichen
Felsenburg in der judäischen Wüste. Die gefundenen Textilien wurden zunächst
trocken gesäubert, wobei die herausgefallenen Partikel mit einem Stereomikroskop
(x 6) untersucht wurden.
Das
historische Lausbein
Für die Untersuchung des Beines der historischen
Laus wurden Köpfläuse unter infizierten Kindern eines Jerusalemer Kindergartens
gesammelt, während für den wissenschaftlichen Vergleich eine ganze Kolonie
Körperläuse von der Londoner Schule für Tropenmedizin und Hygiene herbeigeschafft
werden musste. Für die genauere Untersuchung wurde ein hochqualifiziertes Mikroskop
der Firma Zeiss aus Jena eingesetzt.
Nymphales Stadium
Joe
Zias
Unter den modernen Geräten entpuppte sich nun
das Exuvium, die Außenhülle eines Lausbeines in seinem dritten „nymphalen Stadium“.
Ein winziges Federchen an dem Beinfragment bewies, dass es sich nicht um eine
Kopflaus handelte, wie sie die Jerusalemer Kleinkinder angeliefert hatten, sondern
eher um eine Körperlaus.
Unter dem Zwischentitel
„Diskussion“ handeln die Forscher nun die wissenschaftliche Bedeutung ihres
denkwürdigen Fundes ab. Läuse gab es im Heiligen Land schon seit über 9000 Jahren.
Man hatte sie in alten Kämmen und Überresten menschlichen Haares gefunden. Forschungsarbeiten
dazu hatten Mumcuoglu und Zias zuvor veröffentlicht. Läuse kommen schon in der
Bibel vor und im Talmud heißt es: „Wer eine Laus am Sabbat tötet, tut (eine
Sünde) als hätte er ein Kamel getötet“ Zudem forderten die Rabbis aus der Zeit
Jesu, dass es „unziemlich“ sei, in der Öffentlichkeit die Kleidung nach einer
Laus zu durchsuchen.
Zu der
Laus aus dem ehemaligen Winterpalast des Königs Herodes auf Massada sagen die
Forscher, dass die Rebellen während der mehrmonatigen Belagerung durch die Römer
in räumlicher Enge gelebt hätten, bis sie Selbstmord verübten, um nicht in römische
Gefangenschaft zu geraten und als Sklaven verkauft zu werden. „Die Enge in den
Räumen förderte die Verbreitung der Körperläuse von einer Person zur anderen“,
konstatieren die Wissenschaftlicher. Sie schließen mit der wahren Sensation
ihrer Entdeckung: „Unseres Wissens ist erstmals eine Körperlaus (im Gegensatz
zur Kopflaus) bei einer archäologischen Ausgrabung in Israel gefunden worden.“
Jerusalem,
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